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Zwischen den Zeilen - Rückblick CampNaNo April 2018

Statistik von der CampNaNoWriMo Website über meinen Schreibfortschritt zum Projekt  "The Lost Prince"
Statistik von der CampNaNoWriMo Website über meinen Schreibfortschritt zum Projekt "The Lost Prince"

Der April ist gefühlt an mir vorbeigeflogen. Ich bin hochmotiviert in den CampNaNoWriMo-Monat gestartet, mit dem Ziel die ersten 50k für ein neues Projekt zu schreiben und gleichzeitig mit der letzten Überarbeitungsrunde eines Manuskripts voranzukommen, dessen Rohfassung ich letztes Jahr im April angefangen hatte.

In den letzten Monaten der reinen Überarbeitung, hatte mir das Schreiben gefehlt und etwas Abstand vom Überarbeitungsprojekt schien mir auch angebracht. Mir wurde öfter die Frage gestellt, ob Überarbeiten und Schreiben denn so parallel gut funktioniert, denn es sind ja doch zwei sehr verschiedene Herangehensweisen gefragt. Ich war selbst neugierig, ob und wie es klappen würde, da ich bisher immer nur an einem Projekt gleichzeitig gearbeitet hatte.

 

Tatsächlich fiel es mir anfangs sehr schwer wieder ins Schreiben rein zu kommen. Mein innerer Kritiker wollte unbedingt jeden Satz perfekt schreiben und ich habe allein die ersten 50 Worte um die zehn Mal geschrieben und wieder gelöscht. Und das nicht nur am Anfang des Manuskripts und des Monats, sondern fast jedes Mal, wenn ich aus einer neuen Perspektive geschrieben habe oder einen neuen wichtigen Charakter eingeführt habe. Der Druck auf Anhieb perfekt zu sein, war schwerer zu ignorieren und bei Seite zu schieben, als vorher. Das liegt teilweise sicherlich am Projekt, das mir fast mehr am Herzen liegt, als die letzten, und zum anderen daran, dass ich eben näher am Überarbeitungsmodus bin. Der Modus, in dem man eben jedes Wort hinterfragt und nicht über „falsch klingende“ Sätze oder Worte hinwegkommt. In dem Namensprobleme oder kleine, eher nebensächliche ungelöste Plotfragen und ähnliche Stolpersteine schnell zu Hinkelsteingröße anschwellen können.

Doch auch wenn es teilweise mehr Überwindung und mehr Disziplin gekostet hat um in den Schreibmodus zu finden, ging es dann doch nach ein paar Tagen sehr gut voran. Ich habe angefangen, mich am Anfang zu zwingen einfach einige Minuten am Stück drauf los zu schreiben. Und mir später zwischendurch immer wieder mal erlaubt über die letzte Szene drüber zu lesen und etwas zu verbessern, wenn das Bedürfnis zu groß wurde. Wenn ich mir jetzt die neue Rohfassung von bisher 40k durchlese, so ist sie schon deutlich besser, als meine letzten Rohfassungen es im ersten Entwurf waren. Was mich bei der Überarbeitung später sicherlich freuen wird.

 

Bei der Überarbeitung hingegen hat sich keine wirkliche Veränderung zu vorher gezeigt. Es ist immer noch eine besondere Art der Folter und Frustration. Ich habe den Anfang des Manuskripts neugeschrieben. Dabei sind die neuen Szenen gerade so anders, dass umschreiben keine Option war, aber nah genug an der alten Version, dass das Neuschreiben eine Qual war. Den Höhepunkt dieser Aktion, kann man auch in der Schreibstatistik oben schön sehen, denn in der Mitte des Monats habe ich mir erst erlaubt am Schreibprojekt weiter zu schreiben, wenn der neue Anfang fertig war - was zu ein paar Tagen Schreibpause geführt hat, aber zu einem guten neuen Anfang. Dabei habe ich teilweise noch Änderungen am Plot vorgenommen, die ich in nun in den späteren Kapiteln einarbeite.

Ich bin vielleicht etwas langsamer voran gekommen, als wenn ich all meine Zeit in die Überarbeitung stecken hätte, aber nicht so viel langsamer, wie ich ursprünglich fürchtete. Denn ich war insgesamt motivierter, auch weil ich danach immer wieder am neuen Projekt weiterschreiben darf. Und der Wechsel zwischen den Projekten, der nicht nur einen Erzähl-Perspektivenwechsel sondern auch einen kleinen aber deutlichen Genrewechsel bedeutet, hat mir ebenfalls durch den Abstand einerseits und frische Ideen und Augen andererseits geholfen. 

 

Grafik von der Statistik-Seite des CampNaNoWriMo - sowas motiviert mich ja total :)
Grafik von der Statistik-Seite des CampNaNoWriMo - sowas motiviert mich ja total :)

Mein Fazit des Monats ist also, dass es erstaunlich gut lief und ich weiterhin parallel Schreiben und Überarbeiten werde. Ich könnte das Schreibprojekt mit dem Arbeitstitel "The Lost Prince" auch kaum auf Eis legen, weil es zu sehr in mir lebt und jetzt schon zahlreiche Ideen für Prequels, Sequels und Spin Offs ausspuckt. Es fühlt sich epischer an, als meine bisherigen Projekte und ich liebe es. Womit ich nicht sagen will, dass ich das Überarbeitungsprojekt "Zwischen den Lügen" als weniger wichtig einstufe. Ich will Letzteres auf jeden Fall in den nächsten Monaten fertig überarbeiten und ein paar Testlesern anvertrauen – und danach entscheiden, was damit weiter passiert. Das neue Projekt werde ich weiterschreiben und bin fest entschlossen, diese Geschichte zu veröffentlichen, wie genau und wann, muss ich noch schauen. Ich habe 40k diesen Monat geschrieben, wenn ich in den nächsten Monaten wieder je ungefähr 30-40k schaffe, sollte die Rohfassung im Juli stehen. Und wer sich jetzt fragt, warum ich mit 40k mein Ziel erreicht habe, wenn es im ersten Absatz dieses Beitrags doch noch 50k waren: Ich habe das Ziel nach ein paar Tagen des Camps/Monats runtergesetzt. Ohne das Überarbeiten hätte ich die 50k locker geschafft, vielleicht auch mehr, aber so wollte ich mich nicht von der Statistik drängen lassen und mir die Zeit nehmen, die die Projekte eben brauchen. Und das war eindeutig die richtige Entscheidung.

 

(Auf mein genaueres Vorgehen bei der Überarbeitung und beim Plotten und Schreiben meiner zwei aktuellen Projekte, was für mich funktioniert und was nicht, werde ich bald nochmal in eigenen Beiträgen eingehen, also falls jemand genau wie ich immer neugierig ist, wie andere Autoren all so was handhaben: stay tuned :) ) 

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Kommentare: 2
  • #1

    Melie (@bonniesbuch) (Freitag, 04 Mai 2018 15:26)

    Hey Kathy,
    ein tolles Fazit. Das mit dem Perfektionismus kann ich sehr nachvollziehen, ich hab mir mit der Zeit auch verboten, jedes Mal die Szenen vom Vortag nochmal zu lesen, weil es einfach zu viel Energie gefressen hat und mir das Gefühl gab, ich bekäme es einfach nicht hin. Selten hab ich es mir dann doch mal bewusst erlaubt und kleine Änderungen gemacht, das war psychologisch irgendwie ein anderer Umgang damit.
    Da ich nun bald auch in die Überarbeitung starten werde, bin ich mal gespannt, wie gut ich das vereinbaren kann. Denn das Schreiben an sich - da bin ich total bei Dir - das wird mir bestimmt auch bald fehlen.
    Ich wünsche Dir weiterhin eine Menge Erfolg und Durchhaltevermögen mit Deinen Buchprojekten und freue mich, weiter von Dir zu lesen :-)

  • #2

    Kathy Wild (Samstag, 05 Mai 2018 00:45)

    Hey Melie, danke für den allerersten Kommentar hier :D Ja, man muss wohl jeder für sich herausfinden was gut passt. Und eben auch mal Sachen ausprobieren, von denen andere abraten, gerade wenn einen etwas frustiert oder etwas fehlt. Danke und ich wünsche dir auch ganz viel Erfolg und gute Nerven für die Überarbeitung und bin gespannt von deinen Fortschritten zu lesen :)