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Der Inspiration auf der Spur: Reisen & Fotos

Collage: Impressionen meines Lissabon-Trips im Januar 2018
Collage: Impressionen meines Lissabon-Trips im Januar 2018

Ich reise gerne und habe immer Fernweh. Was hat das mit dem Schreiben zu tun? Nun, ich finde mich selten so von Inspirationen überwältig, wie auf Reisen. Fremde Orte und Menschen gehören zu den besten Inspirationsquellen, die ich kenne. Natürlich muss man nicht weit fliegen oder fahren um sich von Orten inspirieren zu lassen, unbekannte Ecken der eigenen oder der Nachbarstadt tun es auch. Aber im Alltag sich die Zeit zu nehmen und den Kopf so komplett frei zu kriegen, finde ich wiederum schwierig und wenn man verreist, sieht man die Welt oft auch mit anderen Augen. Es ist nicht nur ein anderes Stadtviertel oder eine andere Ecke vom vertrauten Wald - es ist eine andere Kultur, eine andere Klimazone, eine andere Welt. Inspiriert war ich in Urlauben also schon immer und habe mich gerne mit einem Notizblock oder dem Laptop irgendwo hin gesetzt und geschrieben. In einem Café oder noch lieber draußen, am Meer oder im Gras eines Parks.

 

Vor 1,5 Jahren war ich ein paar Wochen in Kalifornien unterwegs und habe dort zum ersten Mal an einem Romance Projekt geschrieben, das genau dort spielte, wo ich gerade war. Ich konnte am Strand entlang laufen und dabei spüren, was meine Protagonistin spüren würde. Ich bewunderte in Los Angeles das Observatorium und die Aussicht, genau wie sie es tat. Begegnungen mit Einheimischen oder anderen Reisenden konnte ich teilweise direkt „verarbeiten“ oder weiterspinnen. Die Gerüche und die Vibes der Orte erleben, nicht nur vorstellen oder durch Bilder erahnen. Wenn ich mir jetzt die Urlaubsfotos anschaue, weiß ich noch wie unglaublich ich diese Weite der Landschaften fand, wie klein man sich plötzlich fühlte - sowie viele andere kleine Dinge, die man einfach nicht nur von Fotos lernen kann. Das alles konnte ich in dieses Manuskript fließen lassen, auch noch lange, nachdem ich wieder daheim war und ich habe das Gefühl, diese Orte dadurch noch besser in mein Gedächtnis „geschrieben“ zu haben.

 

Als jemand, der vorwiegend im Genre Fantasy schreibt, ist diese direkte Inspiration leider eher selten. Trotzdem kann ich einige meiner besten Ideen auf einen genauen Zeitpunkt oder Ort auf einer Reise zurückführen. Anfang des Jahres war ich zum Beispiel relativ spontan für ein langes Wochenende in Lissabon und hatte mir kurz vorher eine „richtige“ Kamera gekauft, weil ich meine Reisen schon lange besser einfangen wollte, als mein Smartphone es vermag. Wir sind am Tag meiner Ankunft in Lissabon kurzerhand nach Belém gelaufen, schön am Wasser entlang und in der Sonne (Die Sonne - das absolute Highlight des Winter-Urlaubs und der Hauptgrund für den Trip :D). Auf dem Rückweg sind wir durch den Stadtteil und in lauter kleinen Umwegen durch viele Gassen gelaufen. Viele kleine Häuser, typisch portugiesisch und so wunderbar bunt. Manche sahen etwas verwahrlost aus, was dort kein seltener Anblick ist - da merkt man dann doch, dass man nicht mehr in einem der reicheren europäischen Länder ist. Dann kamen wir an einem langen Zaun vorbei, nachdem eine ganze Weile nur ein kleines Haus direkt an dem Nächsten begonnen hatte. Und durch die hohen Gitter bot sich mir dieser Anblick:

Magisch, oder? Ich hatte sofort eine Szene im Kopf: diese alte Villa, eingeschlossen von hohen Mauern und einem wuchernden Garten, wirkt nur von außen verlassen, aber bei Nacht ist sie ein Treffpunkt für Diebe und andere zwielichtige Gestalten.  An diesem Abend tobt in ihrem Innern ein Streit, den eine Protagonistin gerade nachdrücklich schlichtet. Durch ihr bloßes Auftreten, denn in Mitten dieser nicht gerade harmlosen Horde, wird sie am meisten gefürchtet. Und während ich ein paar Bilder machte gesellte sich die nächste Szene dazu: Wie zwei verzweifelte junge Seelen sich an das Haus anschleichen und ihre einzige Hoffnung darin sehen, dort Zuflucht zu finden.

Diese Ideen haben mich fasziniert, die Charaktere haben mich neugierig gemacht, aber zu der Zeit haben sie mir nicht mehr von sich verraten und ich war auch mitten in einem anderen Projekt und daher irgendwie auch ganz froh darum. Zwei Monate später, als ich eigentlich dabei war ein kleines Projekt für das anstehende Camp NaNo zu plotten, sind diese Ideen plötzlich explodiert. Innerhalb von wenigen Tagen hatte ich ungebeten so viele Ideen zu diesem Projekt hatte, dass ich es nicht ignorieren konnte.

Der Trend der Ideen-Eskalation besteht bei dem mittlerweile mit „The Lost Prince“ betitelten Projekt bis heute und ist einer der Gründe, warum ich es so liebe. Dieser Plot und auch die Welt ist so komplex und reich an Charakteren und Kulturen, dass ich weiß, dass ich noch einige Geschichten in ihr erzählen werde. Und ich kann mir gerade nicht vorstellen, diese Idee nicht gehabt zu haben und nicht an diesen Projekten zu arbeiten. Hier seht ihr gleich einen Ausschnitt aus dem Papyrus Denkbrett zu diesem Projekt, in dem ich momentan überwiegend plotte und meine Ideen zu diesem Projekt festhalte. Das ist nicht alles und ich benutze u.a. auch OneNote für Notizen, gerade wenn ich unterwegs bin. In OneNote finden sich zur Zeit zum Beipiel einige Ergänzungen, die mir in London gekommen sind, wo ich nur mein Handy hatte und somit nicht an Papyrus konnte. Irgendwann werde ich bestimmt auch mal einen Beitrag über mein "System" zu Plotten schreiben, das hier soll nur ein grober Eindruck sein, wohin die Inspirationen fließen und wie ich sie dank Papyurs ungefähr so chaotisch festhalten kann, wie sie mir kommen.

Um von diesem Beispiel und dem Plotten wieder zurück zum Thema zu kommen: Alleine zu reisen und mir Anfang des Jahres eine Kamera anzuschaffen, sind zwei Dinge, die für mich den Inspirations-Effekt unterwegs um einiges vergrößert haben. Wenn ich mit einer Kamera durch die Gegend laufe, ob daheim oder in einem anderen Land, habe ich ein ganz anderes Auge auf die Welt und suche nach Motiven in Umgebung und Menschen. Und wenn ich sie finde, kann ich sie auf einem Bild einfangen. Das ist so viel wert, gerade wenn man dann wieder zuhause ist und sich an eine bestimmte Situation oder Idee erinnern will. Das geht natürlich auch ohne Kamera (die meisten Smartphones machen mittlerweile richtig tolle Bilder), aber seit ich mit ihr explizit auf Fototour gehe, hat sich das nochmal verstärkt – und es macht mir einen riesen Spaß. In der ersten Fassung dieses Beitrags folgten hier jetzt einige Absätze über das Alleine-Reisen und meine Erfahrungen damit, aber das hat den Rahmen und das Thema gesprengt. Falls Interesse besteht, schreibe ich da gerne mal einen eigenen Beitrag drüber :) Also folgen jetzt ein paar Fotos, einige davon Schnappschüsse mit dem Handy, da ich mit der Kamera noch nicht so oft unterwegs war. Jedes dieser Fotos fängt Situationen oder Anblicke ein, die mich inspiriert haben und größtenteils in irgendeiner Weise meine Schreibprojekte direkt beeinflusst haben. Vielleicht findet ihr ja in ihnen auch den ein oder anderen Inspirationsfunken, so wie Pinterest oft als meine Inspirationsquelle herhält, wenn ich daheim festsitze. 

Kleiner Tipp: vergrößert die Bilder, dann steht der Text dazu unten drunter und verdeckt nichts :)

Also, ihr Lieben, die bis hierher gelesen haben, mein einfacher (und nicht gerade origineller) Rat: geht raus! Begebt euch an Orte, an denen ihr noch nicht wart, in der Ferne oder in der nächstgelegenen Stadt, probiert neue Dinge aus und traut euch das alleine zu machen. Verlauft euch! Macht Fotos! Schleppt gegebenenfalls eure Reisebegleitung mit, bleibt trotzdem unvermittelt Stehen um Fotos zu machen oder eine Idee zu notieren/als Memo mit dem Handy aufzuzeichnen, auch wenn eure Begleitung weiterläuft. Sie wird es schon rechtzeitig merken und auf euch warten. Zumindest wenn ihr sie gut ausgewählt habt. Und macht Free Walking Tours mit, auch mehr als eine, weil jeder der einheimischen Führer meistens andere Schwerpunkte/Interessen hat - die gleiche Stadt sieht in meiner Erfahrung anders aus, z.B. einmal durch die Augen einer Fotografiestudentin und dann in den Erzählungen eines Geschichtsstudenten, beide Touren waren sehr unterschiedlich und sehr spannend. Die Inspirationen kommen unterwegs dann von selbst und falls ihr euch traut alleine zu reisen, lernt ihr dazu noch so viel über euch selbst und wachst daran. Ich bin ein sehr schüchterner und teils ängstlicher Mensch und musste (und muss) mich besonders beim Solo reisen in so vielen Situationen immer wieder überwinden – aber das war es bisher jedes Mal wert und ich fühle mich nie so lebendig wie auf Reisen. Selbst wenn es mal nicht so gut läuft, die Erfahrung bringt einen unschätzbar viel weiter.

 

Sammelt ihr eure Inspirationen auch unterwegs und habt Fotos, auf denen ihr sie zurückverfolgen könnt? Habe ich in jemandem etwas Fernweh geweckt? Wollt ihr mehr über das Alleine Reisen lesen? Oder über mein Chaos-Plotten-Mit-System?

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