· 

Plotten bis der NaNo kommt

Eine Welt voller Ideen organisieren und in ein verständliches Plot verwandeln - Hilfe, ich bin ein Plotter!
Eine Welt voller Ideen organisieren und in ein verständliches Plot verwandeln - Hilfe, ich bin ein Plotter!

Von den drei Schritten im Autorenleben, Plotten, Schreiben und Überarbeiten, ist mir der erste mittlerweile fast der liebste. Plotten ist Träumen. Plotten ist Planen. Es sind inspierierende Bilder, geniale Ideen, umwerfende Lösungen zu Plotproblemen. Es ist Recherche und Plotbunnies nachjagen. Es frustriert und begeistert. Rohe Kreativität ohne Grenzen, aber praktisch und mit System.

Ich habe mich in den letzten Jahren immer wieder mit dem Plotten und verschiedenen Ansätzen beschäftigt, aber bevor ich genauer darauf und auf meine bevorzugte Strategien eingehe, eine kleine Anmerkung: Nicht jeder Autor plottet. Es ist keine Garantie eine bessere Geschichte zu schreiben. Jeder denkt, schreibt und arbeitet anders, genau wie die Kreativität stets eigene Wege geht. Die einen werden von visuellen Impulsen inspiriert, andere brauchen Musik oder bevorzugen andere Sinne. Manche Autoren planen jede Szene vor dem Schreiben bis in die Details, andere schreiben ohne jeden Plan drauf los und überraschen sich selbst auf jeder Seite. Zwischen diesen Extremen dürfte sich der Großteil der Autorenschaft tummeln. Auf einem wundervollen Spielplatz, auf dem man sich ausprobieren kann, so viel man möchte.

 

Ich war früher ein Pantser, hatte meistens nur eine grobe Idee, eine Prämisse, vielleicht auch schon ein Ende im Kopf und dann habe ich mich auf die leeren Seiten gestürzt. Und dabei viel Spaß gehabt und lange Geschichten produziert, mit weit über 100.000 Wörtern teilweise, aber kaum eine davon hatte je ein "Ende" bekommen. Ich wurde nie fertig mit den Geschichten, weil sie immer weiter gingen, mal den Kurs komplett änderten, mal um den heißen Brei herumtapsten. Vor meinem ersten NaNoWriMo, habe ich mich dann mal hingesetzt und geplottet. Mit 2-3 fein handbeschriebenen Din A5 Seiten bin ich in den NaNo 2015 gestartet, habe täglich brav geschrieben, die 50k geschafft und einige Monate später ein allerstes "The End" unter die (englische) Rohfassung gesetzt. Und seitdem plotte ich zunehmend mehr und mehr, werde genauer und "größer" in den Projekten und ihren Welten. Für den NaNo danach wurde es ein größeres Fantasy Projekt und ich habe mich zum ersten Mal getraut eins meiner schönen Notizbücher für die Plotphase zu benutzen. Meine Geschichten sind durch das Plotten besser und mein Prozess effizienter geworden, auch wenn ich da erst viele Methoden á là Trial-and-Error ausprobieren musste. Im letzten Jahr habe ich nach und nach ein Plot-System bzw. eine Struktur entwickelt, die aktuell perfekt für mich ist und damit starte ich besser vorbereitet denn je in den NaNo 2018. Wobei man dazu sagen muss, dass ich das Projekt schon seit April ab und zu plotte und auch schon etwas "angeschrieben" habe - aber im November soll es fertig werden und dazu brauche ich geschätzt ca noch weitere 80-100k.

 

- Vorsicht! Werbung!  :D Ich nenne nachfolgend (m)ein Schreibprogramm und was ich daran in Hinsicht auf das Plotten am meisten schätze -

Ein Ausschnitt des Chaos Bereichs, perfekt für die Ideensammlung, denn hier ist alles erlaubt und es muss erstmal nicht schön aussehen oder alles direkt zusammenpassen. Genauer sortieren und zuordnen kann man später.
Ein Ausschnitt des Chaos Bereichs, perfekt für die Ideensammlung, denn hier ist alles erlaubt und es muss erstmal nicht schön aussehen oder alles direkt zusammenpassen. Genauer sortieren und zuordnen kann man später.

 Seit der Frankfurter Buchmesse 2017 arbeite ich mit "Papyrus Autor" und damit, vor allem mit dem Denkbrett in Payprus, hat sich mein Plotten-Prozess nachhaltig verändert. Im Prinzip ist das Denkbrett aber nur ein simples Mind-Mapping-Tool - allerdings eines, bei dem ich jede Notiz mit einer Textstelle oder einem Kapitel verknüpfen kann. (Man kann noch mehr mit diesem Programm machen, als ich es bisher tue, Papyrus hat viele, viele Funktionen, die ich noch nicht kenne. Ich erwähne in diesem Artikel nachfolgend nur das Denkbrett.)

 

Ganz am Anfang plotte ich mit einer simplen Mind Map und versuche dort erstmal alle Ideen zu dem Projekt festzuhalten, so lange, bis sich für mich ein Gesamtbild ergibt. Dabei fange ich an mit einem "Ideen" Feld, von dem aus drei Bäume abgehen: "Charaktere", "Welt", "Konflikte". Rechts in dem Bild seht ihr es zu meinem aktuellen NaNo Projekt, das blaue "Ideen"-Feld, der Ursprung, und abgehend in grün der "Welt"-Baum, in rot "Konflikte" und in lila "Charatere". Hier ist alles erlaubt, noch so vage Formulierungen, Fragezeichen, alle Sprachen - jeder Gedanke wird festgehalten und so grob oder genau zugeordnet wie es geht. Sobald ich die Charaktere habe, kann ich sie mit wichtigeren Konflikt-Punkten oder Welt-Notizen verbinden, sodass auch zwischen den Bäumen ein Netz entsteht. Plotbunnies zum Projekt oder der Welt oder ähnlichem packe ich übrigens in irgendeine Ecke, ein gutes Stück vom Ideen-Netz entfernt. An den Fragezeichen-Punkten kann ich dann weiter arbeiten und die Bäume erweitern. Wenn mir hier Ideen fehlen, steht das Internet zur Seite, zur Inspiration oder um Fragen zu einer mehr oder weniger mittelalterlichen Welt zu beantworten.

Vom blauen "Ideen"-Zentrum (rechts) geht nun nach links der geordnete Teil der Map ab, das "Plot" (dunkelblau). Es folgt eine vertikale Plotstruktur, die dem ersten roten Faden zugeordnet wird. Und als Drittes folgt ein noch genauerer roter Faden.
Vom blauen "Ideen"-Zentrum (rechts) geht nun nach links der geordnete Teil der Map ab, das "Plot" (dunkelblau). Es folgt eine vertikale Plotstruktur, die dem ersten roten Faden zugeordnet wird. Und als Drittes folgt ein noch genauerer roter Faden.

 

Wenn ich das Gefühl habe, dass die Geschichte unter den Ideen genug Form annimmt, dann füge ich einen weiteren Baum von "Ideen" aus hinzu, weg vom Chaos: "Plot". Hier versuche ich es erstmal mit einem groben roten Faden. Vielleicht lässt der sich ganz gut aufschreiben, vielleicht fällt mir aber auch die Reihenfolge schwer oder es bleiben Lücken. Dann hole ich mir gerne Hilfe. Entweder rede ich mit meinen Schreibbuddies über das Projekt, oder ich lese mich im Internet durch Blogposts oder Artikel zum Plotten, auf der Suche nach neuen Anstößen.

Ich kann mir da zum Beispiel eine Plotstruktur raussuchen, wie die 7-Punkte von Dan Wells, sie zwischen meinen "Plot"-Punkt und den groben Handlungsablauf legen und die entsprechenden Plotpunkte mit den Strukturpunkten verknüpfen. Dadurch sehe ich dann wo vielleicht noch ein Twist fehlt oder es hilft mir die Reihenfolge besser festzulegen. Wobei ich mich auch nicht unbedingt genau an das vorgegebene Schema halte, es geht mir eher um neue Ideen und Anstöße.

 

 

Falls ihr nun keine Hardcore-Plotter seid, reicht es euch vermutlich spätestens nach dem ersten, groben roten Faden, vielleicht auch schon nach der Ideen Phase und ihr könnt jetzt direkt in das Schreibabenteuer starten. Das habe ich bei einigen Projekten auch gemacht, aber gerade bei komplexeren, ist für mich doch mehr Plotting erforderlich. Dazu kann ein genauerer/ausführlicherer roter Faden helfen, den ich einfach neben den alten setze (Im Bild der ganz rechte rot eingekreiste Teil) und vielleicht wieder Verbindungen ziehe, um im Zweifel bei den ursprünglichen Ideen schauen zu können. Doch irgendwann ist der rote Faden genau genug. Aber das reicht vielleicht trotzdem noch nicht.

Bei meinem aktuellen Schreib-Projekt "Lost Prince" habe ich ein besseres System gebraucht, denn ich habe drei Charaktere, aus deren Perspektiven abwechselnd die Geschichte erzählt wird, viele Hintergrundhandlungen und eine "reiche" Welt - es wurde mir beim Schreiben sehr schnell zu viel, alles im Hinterkopf zu behalten oder in den roten Faden/das Ideen-Chaos einzusortieren. Wegen den verschiedenen Handlungssträngen und einigen wichtigen Charakteren, wollte ich einen Zeitstrahl - aber am liebsten einen pro Charakter. Allerdings sollte trotzdem irgendwo der Überblick über das Zusammenspiel erhalten bleiben. Also habe ich vertikale Zeitsträhle pro Charakter angelegt, die nebeneinander angeordnet sind und so auch Interaktionen erlauben. Auf dem Bild sieht man einen Ausschnitt davon. An der rechten Seite habe ich das aktuelle Kapitel in wenigen Sätzen zusammengefasst und dann links davon auf dieser Ebene eingetragen, was bei den Charakteren in diesem Kapitel passiert. Die Kapitelpunkte sind wiederum mit dem roten Faden Einträgen ganz rechts verbunden. Die Farbe eines Kapiteleintrags steht auch für die Erzähl-perspektive und die farbigen Handlungspunkte in dieser Ebene werden in dem Kapitel konkret erzählt/gezeigt oder zumindest erwähnt. Alle nicht-farbigen sind relevante Sachen, die aber im Hintergrund ablaufen.

Wieder von rechts nach links zu lesen: aktuellster roter Faden, Kapitelübersicht/abfolge, vertikale Zeitsträhle (einer pro relevanter Charakter)
Wieder von rechts nach links zu lesen: aktuellster roter Faden, Kapitelübersicht/abfolge, vertikale Zeitsträhle (einer pro relevanter Charakter)

 

Diese Zeitsträhle fülle ich (bisher zumindest) nicht vor dem Schreiben aus. Sie sind da, damit ich den Überblick über das Geschehene/Geschriebene behalte. In der Regel schreibe ich nach einem Blick in den roten Faden den Kapiteleintrag, also 2-5 Sätze und lege die Perspektive fest, dann fange ich an zu schreiben. Nach dem Kapitel oder wenn ich zwischendrin irgendwo hänge, geht es zurück ins Denkbrett und ich ergänze die Handlungspunkte des Kapitels die ich schon geschrieben habe und grüble wie es weiter gehen konnte. Hier hilft mir der Überblick im Sinne von: Was machen meine anderen Charaktere gerade? Wo waren sie als letztes, wo könnten sie jetzt sein? Wer könnte gerade in die Szene stolpern oder sonst irgendwie helfen oder meinem Charakter ein Ziel geben? Und dann kommt mir hoffentlich ein Einfall und ich kann wieder weiterschreiben :D

 

So viel zu meinem Plotten-System. Ich plane die Szenen nicht im Detail vor und lasse mir damit einen letzten Rest Freiheit. Gleichzeitig ist mein System flexibel genug um Änderungen oder neue Details schnell zu vermerken, falls sich die Charaktere beim Schreiben mal wieder anders verhalten als gedacht. Für weitere Projekte kann ich je nach Komplexität und aktueller Laune, das Plotten an jeder Stufe sein lassen kann - aber auch später immer noch wieder weiterführen. Durch das Mind-Map-Tool, kann ich sowohl das kreative Chaos der Ideenfindung, als auch die sehr strukturierten Zeitsträhle alle an einem Ort unterbringen und für mich persönlich ist das perfekt. So kann ich immer wieder mal hin und her springen und alles hat seinen Platz, ohne dass ich Programme wechseln muss. Und ich kann in Papyrus Notizen aus dem Denkbrett so mit Kapiteln oder Szenen im Text verknüpfen, dass ich während dem Schreiben im Navigator mit der Kapitel- und Szenenübersicht an der Seite nur drauf klicken muss und schon springe ich zur richtigen Stelle im Denkbrett. Wenn es jetzt noch eine Suchfunktion im Denkbrett gäbe - das wäre mega xD

 

 

Ein etwas größerer Ausschnitt meines Denkbretts zu "Lost Prince". Ist es nicht ein wunderschönes Chaos-Still-In-Progress? :D
Ein etwas größerer Ausschnitt meines Denkbretts zu "Lost Prince". Ist es nicht ein wunderschönes Chaos-Still-In-Progress? :D

 Wie plottet ihr, falls ihr denn Plotter seid? Und mit welchem Programm? Wart ihr auch mal Pantser und braucht immer noch ein bisschen Freiraum im Plot oder plant ihr jedes Detail vorab?

Falls ihr beim NaNoWriMo mitmacht wünsche ich euch ganz viel Erfolg und ihr könnt mich gerne auf der NaNo-Seite adden, mein Profil findet ihr hier.

 

Das Wichtigste beim Plotten und im NaNo: Habt Spaß und probiert euch aus, so lernt man am Besten! <3

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Nadine (Samstag, 27 Oktober 2018 16:56)

    Ein sehr interessanter Beitrag und ich bewundere deine Hingabe zum Plotten, das Genie beherrscht das Chaos :D
    Ich jedenfalls plotte am besten handschriftlich. Wird natürlich dann zum Problem, wenn mir während des Plottens schon Szenen und Dialoge so glasklar in den Kopf springen, dass ich sie mit aufschreiben muss und dann habe ich ein wildes ellenlanges Gemisch und die Balance zwischen zu viel plotten vs zu wenig plotten wird umso schwerer.
    Bedeutet, ich brauche grobe Punkte oder Sznenen pro Kapitel, damit ich weiß was passiert, es darf nicht zu grob sein, weil ich dann nicht weiß, was ich schreiben soll, aber auch nicht zu auführlich, dass ich das Gefühl bekomme, die Geschichte bereits geschrieben zu haben. Kein leichter Grad also ;)
    So ganz habe ich den Dreh noch nicht raus (ich besitze übrigens Scrivener, schreibe meine Geschichten aber in Word, weil ich mich da an das Aussehen/Format so gewöhnt habe).
    Liebe Grüße und viel Erfolg! :)

  • #2

    Kathy (Samstag, 27 Oktober 2018 17:32)

    Danke für den Kommentar, Nadine! Diese Balance zwischen genug plotten um weiter zu wissen aber nicht so viel, dass schreiben langweilig wird, muss ich auch immer versuchen zu finden. Für mich wären wohl Dialoge vorher aufschreiben zu viel, das ist bei mir ganz selten mal ein wichtiger Satz den jemand vielleicht sagt, aber alles andere muss in der Schreibphase passieren. Es ist schon lustig wie unterschiedlich das immer wieder ist. Ich wünsche dir auch viel Erfolg im NaNo! :)